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Fake News – Kritischer Umgang mit Medieninhalten


Das Coronavirus wurde im Labor gezüchtet; Mundschutzpflicht im Süden Baden- Württembergs wurde angeordnet; das Virus stellt eine Mutation der SARS-Krankheit von 2003 dar – das in der Medienlandschaft sehr präsente Thema rund um das Coronavirus stellt ein geeignetes Beispiel für Fake News sowie die Entstehung von Verschwörungstheorien dar. Beide Phänomene haben im Zuge der gestiegenen Nutzung sozialer Plattformen an Einfluss gewonnen.


Wie soziale Plattformen zur Transformation der Kommunikation beitragen

Durch Interaktivität und Kollaboration im Internet verschmelzen die – vormals getrennten – Rollen von Produzierenden und Konsumierenden. So entsteht die neue Rolle des „Producers“ (Bruns, 2007). Es sind nicht mehr nur professionelle Journalist*innen, welche Inhalte veröffentlichen. Alle Nutzer*innen des Internets sind jetzt dazu in der Lage Inhalte herzustellen und zu teilen. Problematisch dabei ist, dass die Veröffentlichungen nicht-professioneller Kommunikator*innen nicht dem beruflichen Anspruch der Journalist*innen unterliegen. Der Pressecodex regelt ethische Standards für den Journalismus wie beispielsweise die Sorgfaltspflicht. Diese sichert eine umfassende Recherche, welche den Wahrheitsgehalt von Nachrichten sicherstellen soll. Soziale Plattformen schaffen Diskursräume und bieten Informations- und Meinungsfreiheit. Jeder kann unmittelbar, kostengünstig und rasch Inhalte veröffentlich, auch wenn diese möglicherweise keinen Wahrheitsgehalt haben.


Gefahren für den öffentlichen Diskurs

Hier kommen Fake News ins Spiel. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive beschreibt der Begriff eine Form der Desinformation (vgl. Zimmermann & Kohring, 2018). Hierzu zählen einerseits – durch ungenügende Recherche – ungenaue oder teilweise falsche Inhalte, jedoch auch wissentlich kreierte und verbreitete Fehlinformationen. Das Problem bei diesen falschen Informationen ist die Form der Gestaltung. Oft werden sie als objektive Nachrichten dargestellt. Auf diese Weise kommt es dazu, dass Bürger*innen über bestimmte Sachverhalte falsch informiert sind und es möglicherweise zur – von den Erstellern der Nachricht, gewollten – Beeinflussung ihrer Meinung kommt. Die Rolle, welche den sozialen Medien bei diesem Prozess zukommt, ist die der Verstärker. Ihre Funktionslogik fördert die Durchsetzungsfähigkeit falscher Meldungen, indem diese von Nutzenden mit ihrem Bekanntenkreis geteilt und so verbreitet werden. Aufgrund derartiger Entwicklungen leidet die Qualität gesellschaftlicher Diskurskultur.


Fake News und der Bedarf nach kritischem Medienhandeln 


Diese kurze Darstellung des Phänomens Fake News begründet die Relevanz des kritischen Medienhandelns. Technisches Verständnis über Mediennutzung reicht nicht aus und ein kritischer Umgang mit rezipierten Inhalten ist in der digitalisierten Welt unverzichtbar. So müssen Schüler*innen darin trainiert werden, unzuverlässige von zuverlässigen Quellen zu unterscheiden und konsumierte Inhalte kritisch zu hinterfragen. Nur auf diese Weise sei es nach Tulodziecki möglich, dass es zur Mündigkeit der Einzelnen komme. Mündigkeit meint dabei die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Urteilsfähigkeit, sodass Teilhabe an gesellschaftlichem und politischem Diskurs erst durch diese ermöglicht wird (vgl. Tulodziecki, 2010).

Auch der Medienkompetenzrahmen des Landes Nordrhein-Westfalen betont die Wichtigkeit bestimmter medialer Kompetenzen, die notwendig sind, um Fake News als solche zu erkenne zu identifizieren. Die Informationsbewertung und -kritik sind wichtige Bestandteile des Kompetenzrahmens. Schüler*innen sollen lernen, Quellen auf ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen und unangemessene Medieninhalte zu erkennen. Außerdem sollen Schüler*innen dazu zu befähigt werden, interessengeleitete Inhalte zu erkennen und mit kritischem Blick zu beurteilen. Grundsätzlich ist es – im Zuge der Verwirklichung zeitgemäßen Unterrichts – von großer Bedeutung, allgemeine Prinzipien der gesellschaftlichen Kommunikation und Kooperation im Netz zu vermitteln, um zur Mündigkeit der Individuen im Sinne Tulodzieckis beizutragen.


(Viktoria Kranz)


Zuletzt möchten wir hier auf einen sogenannten Learning Snack – ein spielerisch gestaltetes Lernhäppchen – welches von einer zehnten Klasse des Schulzentrums Wittenburg erstellt wurde, verweisen. Hier ermöglichen die Schüler*innen die Überprüfung sowie die Erweiterung des eigenen Wissens zum Thema Fake News:

https://www.learningsnacks.de/share/45780/d37066b0ff3573ed716b37314ad98d5a3d8a002f


Ein Dank gilt dem Schulzentrum Wittenburg! 


Viktoria Kranz ist Studentin des Fachs Sozialwissenschaften – Medien, Politik, Gesellschaft mit dem Schwerpunkt der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.



Quellen:

  • Bruns, Axel (2007). Produsage. In: 6th Creativity & Cognition Conference (Hg.), Proceedings of the 2007 Conference on Creativity and Cognition. Washington D.C., S. 99-106.

  • Tulodziecki, Gerhard (2010). Medienkompetenz und/ oder Medienbildung? Ein Diskussionsbeitrag. Merz, 3, 48-54.

  • Zimmermann, F. & Kohring, M. (2018). „Fake News“ als aktuelle Desinformation. Systematische Bestimmung eines heterogenen Begriffs. Medien & Kommunikationswissenschaft, 66(4), 526–541.


Weiterführende Literatur :                                                   

Müller, P., & Denner, N. (2019). Was tun gegen „Fake News“? Eine Analyse anhand der Entstehungsbedingungen und Wirkweisen gezielter Falschmeldungen im Internet. Gutachten im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Zhang, X. & Ghorbani, A. A. (in press). An overview of online fake news: Characterization, detection, and discussion. Information Processing and Management.

Groebel, Jo (2001). Neue Medien, neues Lernen. In: Ingrid Hamm (Hrsg.), Medienkompetenz. Wirtschaft, Wissen, Wandel (S. 80-109). Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

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